Vermummte Gestalten tummeln sich nachts auf deutschen Straßen. Bewaffnet mit Schaufeln, Harken und Spitzhacken erobern sie regelmäßig ein Stückchen Natur zurück. Angst zu haben, vor den nächtlichen Guerillas, braucht keiner, denn ihre Überzeugung ruht nicht auf Gewalt, sondern auf stillem Protest, für das grüne Leben. Und dies gilt es zu verbreiten, in den asphaltierten und grauen Innenstädten. Denn das erklärte Ziel des Guerilla Gärtnerns ist, die Verschönerung brachliegender und trister Flächen im Asphalt-Dschungel der Großstädte. Mit Blumensamen, Setzlingen und verschiedenen Pflanzen erwecken sie solche trostlosen Plätze, wie etwa Verkehrsinseln, zum Leben. Möglichst heimlich, meist nachts, und dabei oft gut vermummt, denn das Ergebnis soll irgendwann die Menschen überraschen, verblüffen und beglücken.
Bekannt ist das sogenannte „Guerilla Gardening“ bereits seit den 1970er Jahren, als junge New Yorker im völlig zugepflasterten und grauen Big Apple für kleine grüne Oasen sorgten. Später, etwa Anfang der 1990er Jahre, griff der Trend dieses grünen Protestes in London um sich, und verbreitete sich seitdem stetig in sämtlichen Asphalt-Metropolen der Welt. Neben dem einfachen Bepflanzen mit resistenten Setzlingen und dem Aussähen verschiedener Blumen- und Gemüsepflanz-Samen, bedienen sich manche Guerilla-Gärtner ausgefallener Methoden zur Begrünung besonders schwer zugänglicher Areale: Ein Gemisch aus Buttermilch und Moos auf Betonwände gespritzt, sorgt unter Umständen dafür, dass sich die Fläche bald in ein grünes Kleid wickelt. Richtig ausgeführt und, wenn es denn „Früchte“ trägt, ist diese Form der Begrünung ein echter Blickfang. Natürlich darf ein jeder späterer Beobachter von der erfolgreichen Aktion wissen, deshalb findet man meist einen kleinen Hinweis an der frischen Grünfläche. Oft fordert dieser dann auch direkt zum Mitmachen auf, etwa mit der Bitte „Gieß mich“. Doch die meisten Guerilla Gärtner pflegen ihre „grüne Tat“ selbst, und umsorgen die ersten zarten Pflänzchen weiterhin heimlich aus dem Hintergrund, sodass sie in aller Ruhe wachsen und gedeihen können.
Schaden möchten die Guerilla-Gärtner grundsätzlich nicht, nur Aufzeigen und damit vielleicht auch Wachrütteln für die Schönheit der Natur um uns herum, in den immer grauer werdenden Großstädten. Wer sich selbst einmal als heimlicher Gärtner versuchen will, der sollte einmal im Internet die Website www.guerillagaertner.com besuchen. Dort finden sich neben zahlreichen Infos und Ideen, auch wunderschöne Fotos der begrünten Schauplätze. Auch hilfreiche Tricks, auf unauffällige und ungefährliche Weise das Grün in die Betongärten zu zaubern, halten die Guerillas auf ihrer Seite bereit. Etwa mit kleinen Samenbomben, kleinen Kügelchen aus Ton, Erde oder Kompost und Samen, die schnell und unauffällig an der richtigen Stelle abgelegt sind, um auch in der letzten Beton-Nische für Natur pur zu sorgen.

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